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Logik, Argumentation und Argumentationsanalyse

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Die Thematik soll nachfolgend anhand kleiner Beispiele umrissen werden.

Heute wird es regnen.

  • Dies ist eine bloße Aussage.
  • Es wird kein Argument gegeben, warum es regnen sollte.
  • Außerdem ist die Aussage sehr pauschalisierend. Irgendwo auf der Welt wird es heute sicher regnen.
  • Je weiter weg vom COMMON SENSE eine Aussage ist, desto besser sollte sie begründet sein.

Sportschuhe zu tragen ist würdelos.

  • Da diese Aussage weiter weg vom COMMON SENSE ist, als die erste, erwartet man hier unbedingt eine Begründung.
  • Diese Aussage ist ebenfalls sehr pauschalisierend und kann darum mit einem einzigen Gegenbeispiel widerlegt werden:
  • Im Sportunterricht müssen Sportschuhe getragen werden.
  • Entgegen der Tendenz bei Philosoph*Innen alles in Frage zu stellen, führte der Philosoph Edward Moore den Begriff des COMMON SENSE ein, um auf Tatsachen zu verweisen, die als wahr anzunehmen unumgänglich seien, vergl. [4].

Da für einen Abiball als Dresscode "vornehme Kleidung" vorgegeben ist, könnte es die Gäste unangenehm berühren, wenn man mit Turnschuhen dort auftaucht.

  • Dies ist ein erstes ARGUMENT.
  • Es besteht aus der PRÄMISSE, dass der Dresscode "vornehme Kleidung" gilt.
  • Diese PRÄMISSE soll die KONKLUSION stützen, dass das Tragen von Turnschuhen die Gäste unangenehm berühren würde.

Sollte für einen Abiball als Dresscode "vornehme Kleidung" vorgegeben ist, könnte es die Gäste unangenehm berühren, wenn man mit Turnschuhen dort auftaucht.

  • Die kleine Änderung von "Da" hin zu "Sollte", versetzt die PRÄMISSE in die MÖGLICHKEITSFORM.
  • Damit wird die Argumentation wesentlich schwächer.
  • Auch dies gilt es zu erkennen, wenn man dagegen argumentieren möchte.

Möchte man überzeugend gegen eine Darstellung argumentieren, ist es wichtig zunächst zu analysieren, was darin die PRÄMISSEN und was die KONKLUSIONEN sind.


  • Dies war eine Aussage ohne Begründung.
  • Vielleicht glauben Sie diese, weil sie Ihnen aus dem zuvor gesagten heraus plausibel erscheint.
  • Vielleicht glauben Sie sie auch einfach, weil hier der DOZENT etwas sagt und dieser eine gewisse AUTORITÄT genießt.
  • Sehr oft berufen wir uns auf Autoritäten.
  • Es genügt in einem Diskurs oft auf anerkannte Spezialistinnen und Spezialisten zu verweisen, um glaubwürdig zu erscheinen.
  • Im wissenschaftlichen Kontext gehört dazu immer auch eine Quellenangabe.

Die Waldböden in Deutschland sind durchsetzt mit weißer Farbe. Das erkennt man ja schon daran, dass auf den Schirmen von Fliegenpilzen weiße Tupfen hervortreten.

  • Hier wird etwas Unsinniges aus einer allgemein anerkannten Tatsache geschlossen.
  • Falls es die weiße Farbe wirklich gäbe, könnten die weißen Punkte auf den Pilzen auch eine NICHT KAUSAL damit zusammenhängende KOINZIDENZ sein.
  • An dem Beispiel sieht man, dass SCHLUSSFOLGERUNGEN aufgrund mangelnder Sachkenntnis, oder bewusster Täuschung auch falsch sein können.
  • Die Darstellung enthält zudem ein PERSUASIVES RHETORISCHES Element: Die Floskel "... ja schon ..." unterstellt, dass jede Person das einsehen müsste, die nicht völlig ignorant ist.

Wie schon Isaak Newton festgestellt hat, benötigt Licht mehr als eine Sekunde, um von der Erde zum Mond zu gelangen.

  • Man könnte hier einwerfen, dass es nicht Newton war, der die Höhe der Lichtgeschwindigkeit herausgefunden hat.
  • Jedoch gilt es wohlwollend mit den Darstellungen anderer umzugehen, einerseits aus Fairness, andererseits ist ein Argument gegen das tatsächlich Gemeinte für andere immer überzeugender, als die bloße Feststellung von Unzulänglichkeiten im Vortrag.

Stellen Sie immer den Haupthahn ab, wenn Sie das Haus verlassen. Ich kenne jemanden, dem stand die ganze Wohnung unter Wasser, als er vom Einkaufen zurück kam.

  • Dies ist ein Beispiel für "Anekdotische Evidenz".
  • Nur weil es einmal einer Person passiert ist und man diese zufällig kennt, wird argumentiert, dass es immer zwingend so sein muss.
  • Unsere eigene Lebenserfahrung ist immer im Vergleich zum Durchschnitt irgendwie verzerrt. Entsprechend neigen wir dazu einige Dinge für gegeben und plausibel zu halten, die das durchaus nicht verdienen.
  • Statistiken und andere quantitative Untersuchungen können hilfreich sein, um solche Privatmeindungen zu entkräften, oder sie selbst zu hinterfragen.

Mit dem Laden eines Lithium-Akkus ist es wie mit einer Feder: Spannt man diese zu weit, bricht sie, lädt man den Akku zu stark, wird er zerstört

  • Beispiele sind gut, um eine Aussage zu stützen.
  • Man sollte immer mehrere gute Beispiele vorbringen, aber auch ein gut gewähltes Analogie-Beispiel kann überzeugen.
  • Ein Analogie-Beispiel, das einen Sachverhalt stützen soll, sollte aber diesem in relevanter Weise ähneln.
  • Dies ist hier fraglich, da das Analogiebeispiel aus dem physikalischen Bereich der Mechanik stammt, die Aussage, die es stützen soll aber aus dem der Elektrotechnik.

Sie kennen bestimmt dieses erhebende Gefühl, wenn man bei warmem Wetter über das Meer blickt, während gerade am Horizont die Sonne untergeht. Da verwundert es nicht, dass es im alten Ägypten einen religiösen Kult um die Sonne gab.

  • Inneres Erleben ist keine verobjektivierbare Tatsache.
  • Es lässt sich aber INTERSUBJEKTIV bestätigen.
  • Für die Phänomenologie bildet die Art und Weise, wie uns die Welt zu Bewusstsein kommt den Ausgangspunkt für alle weiteren Erkenntnisse.
  • Damit unvereinbar sind Erkenntnistheorien, die von allem inneren Erleben absehen, wie der strenge Behaviorismus.

Laut der goldenen Regel, geht die eigene persönliche Freiheit so weit, wie sie die anderer nicht einschränkt. Inselstaaten wie Vanuatu fordern mit vollem Recht, dass anerkannt wird, dass die Industrienationen Schuld am bevorstehenden Untergang dieser Inseln sein werden.

  • NORMATIVE TATSACHEN sind gegenüber NATÜRLICHEN TATSACHEN solche, die einen Konsens innerhalb der Gesellschaft benötigen, um als wahr zu gelten.
  • Bei NORMATIVEN TATSACHEN geht es darum, was man tuen sollte, bzw. was zu tuen moralisch gut und richtig wäre.
  • Klimaleugner*Innen werden die obige Argumentation nicht akzeptieren.
  • NORMATIVE TATSACHEN können prinzipiell auch NATÜRLICHEN TATSACHEN widersprechen, wenn beispielsweise die Wahl des Geschlechtes unabhängig von biologischen Gegebenheit als Grundrecht gesehen wird.
  • In dem Werk "Sprechakte" des Philosophen J.R. Searle werden etwas grundlegender NATÜRLICHE TATSACHEN, wie die Wirkung der Schwerkraft auf alle Gegenstände auf der Erde, von s.g. INSTITUTIONELLEN TATSACHEN, wie verheiratet sein, einer politischen Partei zugehörig sein usw. unterschieden.

Fragen Sie sich einmal, wenn Sie in einem Zugabteil sitzen, bei wievielen der Sie umgebenden Dinge Sie wissen, wie sie hergestellt werden.

  • Oft ist im Gesagten mehr oder etwas anderes intendiert, als nur das Offensichtliche.
  • Wird der Handlungscharakter von Sprache hervorgehoben, kann zwischen dem LOKUTIONÄREN, dem ILLOKUTIONÄREN und dem PERLUKOTIONÄREN Effekt.
  • LOKUTIONÄR: die Äußerung als solche
  • ILLOKUTIONÄREN: Typ der Sprachhandlung, beispielsweise frage, befehlen, behaupten.
  • PERLUKOTIONÄR: Der resultierende Effekt, hier: Man wird feststellen, dass man typischerweise von keinem Objekt im Zugabteil wüsste, wie es hergestellt ist und es würde einem noch einmal die Tatsache auf drastische Weise ins Bewusstsein kommen, dass wir in einer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft leben.
  • Vergl. beispielsweise [4].

Hinweise zu Vanuatu -- https://de.wikipedia.org/wiki/Vanuatu

Tagesschaubericht zu den Bestrebungen vor dem Internationalen Gerichtshof -- https://www.tagesschau.de/ausland/europa/igh-gutachten-klimawandel-100.html

Als immaterielles Kulturgut geltende Sandzeichnungen von Vanuatu -- https://reportage.spektrum.de/mathematik-einer-suedseetradition

Zusammenfassung

Als Argumentierende Person...

  • Stellen Sie das Ziel Ihrer Argumentation nicht als bloße Behauptung dar.
  • Suchen Sie nach als wahr anerkannten und prägnanten PRÄMISSEN, um die KONKLUSIONEN in Ihrer Argumentation zu stützen.
  • Prüfen Sie den Gültigkeitsbereich (EXTENSION) Ihrer Aussagen und korrigieren diese nötigenfalls zum Kleineren hin.
  • Je weiter weg eine Aussage vom COMMON SENSE ist, desto mehr sind gute PRÄMISSEN notwendig, um diese Aussage zu stützen.
  • Das Berufen auf Autoritäten ist hilfreich, sollte aber mit Belegen untermauert werden.
  • Überprüfen Sie Ihre Argumente auf solche mit bloß anekdotischer Evidenz und verzichten Sie darauf.

Als Kritik übende Person...

  • Konzentrieren Sie sich bei offensichtlichen, oberflächlichen Fehlern des Gegenübers wohlwollend auf das Gemeinte.
  • Finden Sie heraus, was die PRÄMISSEN und was die KONKLUSIONEN in der Darstellung sind und überprüfen Sie sowohl die Gültigkeit der Prämissen, als auch die Zulässigkeit der aus ihnen gezogenen Schlussfolgerungen.
  • Überprüfen Sie die vorgebrachten Argumente auf solche mit bloß anekdotischer Evidenz und hinterfragen diese.

Hinweis zu Autoritäten:

Hilary Putnam (1926-2016) hat sich u.a. mit Sprachwissenschaft beschäftigt und in seiner Schrift Bedeutung von "Bedeutung" klar gelegt, dass sich Wörter nicht starr auf Alltagsgegenstände bezögen, sondern ihren Sinn erst in einer gelebten Alltagspraxis erhielten. Andererseits ist es wiederum nicht nötig, dass sich jede Person eine genaue begriffliche Bestimmung eines Wortes wie "Gold" erarbeiten würde, sondern es reiche, wenn innerhalb der sozialen Gemeinschaft von Menschen nur einige wenige Benutzer des Wortes in der Lage sind zuverlässig festzustellen, auf welche Gegenstände dieses Wort zutrifft, vergl. [4], S.273 und [2], S.13.

Literatur zum Thema Logik, Argumentation und Argumentationsanalyse


[1] Betz, G., Argumentationsanalyse -- Eine Einführung, J.B. Metzler, Berlin 2020.

[2] Putnam, h., Die Beutung von "Bedeutung", Klostermann, Frankfurt am Main 2021.

[3] Raters, M.L., Ethisches Argumentieren, J.B. Metzler, Berlin 2020.

[4] Ruffing, E., Einführung in die Philosophie der Gegenwart, Wilhelm Fink, Paderborn 2014.  

[5] Searl, J.R., Sprechakte, Suhrkamp, Berlin 1986.

[6] Weston, A., Die Kunst des guten Arguments, Reclam, Stuttgart 2017.


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