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Modul 2 - Beschreibung und Eingrenzung phänomenologisch orientierter künstlerischer Forschung

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Einem Spezialisten auf einem Gebiet wird häufig eine "Deformation professionelle" bescheinigt, also eine Neigung, auch den Rest der Welt so wahrzunehmen, wie es innerhalb des eigenen Spezialgebietes geboten ist.

Jedem Außenstehenden, der eine entsprechend motivierte Handlungsweise eines solchen Spezialisten erlebt, sticht das sofort ins Auge. Humorvolles Beispiel: Der Film "Papa ante Portas" von Loriot - Ein Familienvater - zuvor im Einkauf tätig - geht in Rente und fängt dann an palettenweise Senf einzukaufen.

Youtube-Film - Papa ante Portas - 150 Gläser Senf.

Schwieriger ist es, die eigene verengte Sichtweise auf irgendetwas zu entdecken und noch viel schwieriger, Vorprägungen zu erfassen und ihren Einfluß auf uns zu verstehen, die uns selbst und alle Menschen betreffen.

Im ersten Fall hindert uns womöglich unsere Voreingenommenheit, Hinweise Außenstehender zu verstehen. Im zweiten Fall gibt es keine Außenstehenden.

Wirklich keine Außenstehenden? - Philosophinnen und Philosophen sind Menschen, die mehr darum bemüht sind als andere, das menschliche Dasein zu verstehen.

Eingrenzung der Art der Bezugnahme auf die Phänomenologie Edmund Husserls

Wenn jedoch diese Lehrveranstaltung zu künstlerischer Forschung konkret auf die Phänomenologie Edmund Husserls eingeht, dann geschieht dies nicht, um sie als erkenntnistheoretischen Unterbau einzuführen. - Dies würde in Betracht des Umfangs seines philosophischen Werkes und der vielen verschiedenen darin enthaltenen Neuansätze den Rahmen dieser Lehrveranstaltung sprengen und wäre in Hinblick auf das dort vertretene Streben nach einem Absolutheitsanspruch der Erkenntnis unzeitgemäß.

Vielmehr wurde die Phänomenologie Husserls ausgewählt, um das Experiment zu wagen, jemandem gedanklich ein Stück weit zu folgen, der in begründeter Weise eine radikal andere Erkenntnishaltung einnimmt, als die uns geläufige.

Einher geht mit der Einnahme dieser Erkenntnishaltung das Erlernen einer Sprache, die zur Beschreibung menschlicher Lebenszusammenhänge in einer Weise geeigneter ist, als die alltägliche, wie beispielsweise die Sprache der Biologie geeigneter ist Lebensvorgänge zu beschreiben, als die der Physik.

So gesehen, wird hier die Einführung der Phänomenologie im Sinne einer außerhalb dieser stehenden pragmatischen bzw. hermeneutischen Philosophie begründet, wie sie beispielsweise durch den modernen Philosophen Richard Rorty (1931-2007) beschrieben wird:

"Philosophie macht nicht dadurch Fortschritt, dass sie immer strenger wird, sondern dadurch, dass sie einfallsreicher wird. "

Richard Rorty, Truth and Progress, in Philosophical Papers.

"Die Hermeneutik betrachtet die Beziehungen der unterschiedlichen Diskurse zueinander als Beziehungen zwischen den möglichen Strängen eines Gesprächs, das seinerseits keines die Sprecher verbindendes disziplinären Systems bedarf, das jedoch, solange es währt, die Hoffnung auf Übereinstimmung nie aufgibt. "

[RORTY] Richard Rorty, Der Spiegel der Natur - Eine Kritik der Philosophie, Seite 346, Suhrkamp, Berlin 2000.

Erste Annäherung an die Phänomenologie Edmund Husserls

Die Vorstellung davon, daß es von uns unabhängig existierende Dinge in einer zeitlichen Ordnung gibt und daß uns ein von dieser Dingwelt getrenntes Bewußtsein ausmacht, ist wohl die elementarste Vorprägung, die wir haben.

Der Philosoph Edmund Husserl (1859-1938) nennt diese Vorprägung unsere "NATÜRLICHE EINSTELLUNG":

"...Ich finde beständig vorhanden als mein Gegenüber die eine räumlich-zeitliche Wirklichkeit, der ich selbst zugehöre, wie alle anderen in ihr vorfindlichen und auf sie in gleicher Weise bezogenen Menschen. Die "Wirklichkeit", das sagt schon das Wort, finde ich als daseiende vor und nehme sie, wie sie sich mir gibt, als auch daseiende hin. Alle Bezweiflung und Verwerfung von Gegebenheiten der natürlichen Welt ändert nichts an der Generalthesis der natürlichen Einstellung. "

Die phänomenologische Fundamentalbetrachtung - I. Die Thesis der natürlichen Einstellung und ihre Ausschaltung - I. Die Welt der natürlichen Einstellung: Ich und meine Umwelt - in: [HUSSERL1] Edmund Husserl, Die phänomenologische Methode - Ausgewählte Texte I, Seite 137, Reclam, Stuttgart 2010.

Im Traum fiele uns nicht ein, diese Vorprägung als eine aufzufassen, die bereits unser Erkennen der Welt beeinflußt oder sogar einschränkt.

Aber genau dieser Auffassung war Husserl:

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